...weniger ist - manchmal mehr?!

Ihr lieben Leutchen, ... mal ehrlich, ist das nicht ein absolutes Luxusproblem sich über Reduktion, Minimalismus und Konsumverzicht, Gedanken zu machen?!

"Haben wir nicht andere Probleme?", mag der ein oder andere vielleicht spöttisch einwerfen. Dafür habe ich durchaus Verständnis. Dennoch sind wir alle Kinder unserer Zeit, in der das "höher, schneller, weiter..." in gleicher Weise salonfähig ist. "Haben wir nicht andere Probleme?", frage ich mich. Die Katze beißt sich also in den Schwanz, anders gesagt: kann man wohl von beiden Seiten des Pferdes herunterfallen...

Die bekannte deutsche Popband "Silbermond" proklamierte schon vor geraumer Zeit über die Lautsprecher, das es sich "mit leichtem Gepäck, so viel besser reist". Bereits vor über 2000 Jahren wies Jesus seine Leute an ohne irgendein Zeugs, geschweige denn "Koffer" loszuziehen, beachtlich!

 

Ich weiß nicht, wie das bei dir ist? Wenn ich in den Urlaub gehe, nehme ich meistens immer mehr mit als ich tatsächlich brauche und ein Großteil meiner Kleidung wandert anschließend ungetragen in den Schrank zurück. Auf dem Weg zur Haustür denke ich nicht selten: "Ach, wäre doch schon alles verräumt, gewaschen und gebügelt...". Fazit: Optimierungspotential vorhanden;)...

 

Wie sieht es aber mit deiner und meiner "Lebensreise" aus? Was ist schon drin in meinem "Koffer" und was brauche ich davon wirklich? Ich ertappe mich, wie mein Blick nachdenklich durch die Wohnung schweift. Brauche ich das alles hier? Ob nun meine Reiseerfahrungen oder ein anderes Erlebnis den Auschlag für mein Nachdenken in diese Richtung auslöste, kann ich nicht genau benennen. Das was sich "spürbar" machte, war eine "innere" Unruhe, eine Art "Ballast" - den ich mit manchen Dingen verbandt. Und die Frage: Was ist eigentlich 'wesentlich' bzw. 'wertvoll' für mich?

 

Einkäufe, sei es im Laden oder im Netz beschehren dem Käufer ein kurzfristiges Glücksgefühl und langfristig unter Umständen einen zu  vollen Kleiderschrank, Keller oder Dachboden. Die als "Belohnung" empfundenen Glückbringer berauschen uns mal kürzer, mal länger. Bis wir weiteren Hunger nach "mehr davon" haben. Oder bis ein Umzug vor der Tür steht und wir diesen und jenen Impulskauf schwerlich bereuen.

Ich erinnere mich, wie ich als kleines Kind mich so dermaßen über neue Schuhe gefreut habe, dass ich es kaum erwarten konnte sie anzuziehen. Über Nacht standen sie neben meinem Bett, vor dem Einschalfen schaute ich sie ein letztes Mal beglückt an, bis sich meine Gedanken am Morgen mit Vorfreude darauf füllten - der großen, weiten Welt meine neuen Schuhe zu präsentieren. Der Hype hielt ein paar Tage an... Bis? ...ja, bis wann eigentlich? ...geräuschlos machte sich das Glücksgefühl irgendwann von dannen.

Zugegenbenermaßen läuft es heute nicht mehr in gleicherweise ab, aber das Muster bleibt dennoch bestehen: 'Reizauslösung - Sehnsucht nach... - Streben nach ... - Vorfreude - Möglichmachen/Kaufen etc. - Glücksgefühl - kurzfristige Befriedigung - Abflachung des Hypes  - erneute Reizauslösung - und so weiter...' . Mir hat es geholfen, die Prozesse im Gehirn dahinter zu verstehen und meine bisherigen Erfahrungen damit abzugleichen... Unser Belohnungssystem gewöhnt sich an diesen 'Glückskick' und braucht es immer wieder, je mehr es sich daran gewöhnt. Hier hört es spätestens auf ein Luxusproblem zu sein, sondern es wird zu einer ernst zu nehmende Thematik - der sich genau die Werbung zu bedienen weiß.

Heutzutage kaufen viele Leute mit dem Geld, das sie nicht haben, Sachen, die sie nicht brauchen, um damit Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen. ERnst bloch

Folgende Gedanken helfen mir allerdings, immer mehr ein gesundes Maß und ein gewissen Fokus zu entwickeln...

 

Was für einen Zweck erfüllt dieses Ding, diese Sache in meinem Leben? Manches ist schlichtweg nötig, nützlich, brauchbar oder einfach schön... Es muss nicht alles immer einen Sinn haben!

 

Was ist mein Motiv dahinter? Was verspreche ich mir von dem Besitz der Schuhe, dem neusten Smartphone, dieses oder jenes? Möchte ich "es" nur haben, um andere damit zu beeindrucken oder ganz persönlich für mich?

 

Was macht der Gedanke/das Wissen mit mir, dass die hohen Erwartungen daran und die kurzfristigen Glücksgefühle, selten dauerhaft spürbar sind und schnell verblassen?

 

Nicht zuletzt sagt die Wissenschaft und lehrt mich meine Erfahrung, wie unheimlich befreiend "ausmisten" sein kann. Mit "äußerer" Klarheit, stellt sich immer mehr "innere" Klarheit ein.

Wir brauchen nicht wesentlich mehr, wir brauchen Wesentliches.Peter Hahne

Das es durchaus sinnvoll ist auch den eine oder anderen Gedanken bzw. Glaubenssatz auszumisten ist unumstritten - dazu kommt zu gegebener Zeit noch mehr Input. Zu Beginn zu viel zu wollen, alles auf einmal , jetzt und sofort zu tun/zu lassen - ist auch nicht die Lösung. Es scheint allzu verlockend, ist allerdings genauso wenig nachhaltig wie ein Impulskauf. Wenn wir in unserem Leben, unserer Einstellungen, unserem Verhalten dauerhaft etwas ändern möchten - ist es durchaus hilfreich klein anzufangen. Und wir brauchen Geduld... JA, ich brauche Geduld. Auch ich bin noch nicht 'immun' gegen das ein oder andere verlockende Schnäppchen. Dennoch: Allein ein neues Bewusstsein für die Dinge zu entwickeln, bringt uns in eine neue Spur...

Weniger, ist manchmal mehr - so ist es. Häufig spielt die Frage nach der Priorität und des Fokus eine entscheidende Rolle im Hintergrund. Gepaart mit der Wertschätzung den einzelnen Dingen gegenüber. Ebenso die Dankbarkeit für  die Versorgung mit allem nötigen, was "man" oder "frau" zum Leben braucht und sogar darüber hinaus... Ich fühle mich in alldem und mit all dem beschenkt!

DANK nach oben ;)

 

Ausmisten ist auf verschiedene Art und Weise möglich... Hier ein paar Anregungen dazu. Wenn du es ausprobieren möchtest, dann wähle eine davon aus, die dir stimmig erscheint...

 

- eine Möglichkeit der "Reduktion" kann sein, sich eine Konsumauszeit zu gönnen - einfach mal eine Zeit lang nichts zu kaufen, bzw. nur Gebrauchsgegenstände - die leer geworden sind oder kaputt gegangen / Lebensmittel / Kosmetik etc.

- Frage dich vor einem möglichen Kauf: Brauche ich das wirklich? Was verspreche ich mir davon? Kann ich mir das evtl. auch ausleihen?

- Tabula-Rasa-Methode: packe alle Dinge die du besitzt in Kartons und verstaue diese in einem Zimmer. Nehme nur die Dinge heraus die du brauchst oder nach denen du dich sehnst. Nach 60 od. 90 Tagen kannst du alle Dinge die noch in den Kartons sind, verkaufen, spenden, verschenken...

- 30 Tage Challenge: Sortiere 5/10 Dinge pro Tag aus und erleichtere dich somit Stück für Stück von etwas Ballast.

- Sortiere deinen Besitz nach Kategorien, beispielsweise: Küchenutensilien, CDs, Bücher, Klamotten, Schuhe, Kosmetikartikel. Entscheide dich dann bewusst für die Dinge sie du behalten möchtest. Der Rest kann wiederum verkauft, gespendet oder verschenkt werden.

 

Was mich betrifft habe ich bereits einige, viele Dinge aussortiert und mir tatsächlich eine kleine Konsumauszeit auferlegt. Zudem bin ich dabei in diesem Monat mich um 5 Dinge pro Tag zu erleichtern, als Hilfe dient mir eine Strichliste ;) Ich bin gespannt, wie das Fazit nach den 30 Tagen ausfällt... "Unterwegs sein, mit leichtem Gepäck" - das klingt gut finde ich... Bist du dabei? Deine Martina

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